Die Welt ist gerade oft kein angenehmer Ort. Die politischen Krisen häufen sich, auch die Zahl der Konflikte ist weltweit enorm hoch. Das geht an uns Menschen nicht spurlos vorbei. Dazu kommen private Herausforderungen – vielleicht ist eine Beziehung zerbrochen, jemand hat den Job verloren oder ein Mensch ist gestorben. 

Wenn wir sehen, dass Menschen in unserem Umfeld Phasen intensiverer Belastung durchleben, kann uns das manchmal überfordern und wir wissen nicht, was wir tun sollen. Vielleicht glauben wir dann, dass sich sowieso sehr viele Menschen bei der betroffenen Person melden und unsere Nachricht keinen Unterschied macht. Wenn akut etwas passiert – vielleicht ein rassistischer Übergriff oder ein eskalierter Konflikt – ist es oft noch herausfordernder zu wissen, wie man damit umgehen soll – selbst wenn man es gern würde. 

In der Psychologischen Ersten Hilfe gibt es eine Methode, die in drei Schritten erklärt, wie man in solchen Momenten vorgehen kann. Die Kernprinzipien „Look, Listen, Link“ (Beobachten, Zuhören, Verbinden) geben uns einen Handlungsrahmen, um Menschen in Krisen zu unterstützen. 

Look – Die Situation erfassen 

Wenn eine belastende Situation entsteht, haben viele den Drang sofort zu handeln. Dabei ist es wichtiger, erst einmal zu verstehen, was gerade passiert. Am Anfang steht also das bewusste Wahrnehmen der Situation. Man sollte sich zuerst einen ruhigen Überblick verschaffen und nicht vorschnell reagieren.  

Dabei spielt Sicherheit eine zentrale Rolle: Sicherheit bedeutet, dass wir physisch sicher sind und die Gefahrenzone verlassen haben – ob es nun der Ort der Katastrophe ist oder die Social-Media-App, auf der der digitale Mob tobt. Sicherheit meint aber auch, dass Betroffene nicht alleingelassen werden und praktische Unterstützung organisiert wird. Menschen sollten wissen, dass sie ernst genommen werden, wenn sie über ihre Erlebnisse sprechen wollen. 

Gleichzeitig steht vor dem Gespräch auch die Frage, ob es grundlegende Bedürfnisse gibt – etwa nach Ruhe, Wasser oder Schutz.  

Auch die Reaktionen der betroffenen Person sind wichtig – etwa ob sie stark angespannt wirkt, sehr unruhig ist oder sich eher zurückzieht. 

  • Überblick: Feststellen, was gerade passiert (ist) und einen Überblick über die Situation bekommen.
  • Sicherheit: Risiken erkennen, Sicherheit herstellen (z.B. Gefahrenzone verlassen) und herausfinden, wer Hilfe benötigt. 
  • Handlungsrahmen: Feststellen, ob Unterstützung notwendig ist (z.B. Notruf, andere Vertraute).
  • Bedürfnisse: Grundlegende und praktische Bedürfnisse erkennen. 
  • Emotionale Reaktionen: Anzeichen von Stress oder Überlastung beobachten.  

Ziel ist nicht, sofort zu handeln, sondern die Situation möglichst ruhig und realistisch einzuschätzen

Listen – Der Person aktiv zuhören  

Wenn wir die Situation verstanden haben, geht es im zweiten Schritt um den Kontakt zur betroffenen Person. Dieser beginnt oft schon durch eine ruhige, klare Ansprache und das signalisierte Angebot von Unterstützung. Entscheidend ist dann, wirklich zuzuhören, ohne zu unterbrechen oder direkt Lösungen vorzuschlagen. 

Die Person soll Raum bekommen, ihre Wahrnehmung und Gefühle auszudrücken – auch dann, wenn diese belastend sind. Gleichzeitig kann durch eine ruhige, verlässliche Haltung etwas Stabilität vermittelt werden. Wichtig ist, sich an dem zu orientieren, was die Person selbst gerade braucht, statt eigene Annahmen in den Vordergrund zu stellen. Man sollte das Gegenüber nicht drängen

  • Kontakt herstellen: Ruhig ansprechen, ggf. kurz vorstellen. 
  • Zuhören ohne Druck: Die Person erzählen lassen (ohne zu unterbrechen) und Erfahrungen spiegeln.
  • Emotionen zulassen: Auch starke Gefühle aushalten, ohne sie zu bewerten. 
  • Bedürfnisse verstehen: Fragen, was gerade gebraucht wird. 
  • Beruhigend wirken: Durch ruhige Präsenz und einfache, klare Sprache. 

Link – Unterstützung zugänglich machen 

Wenn wir andere Menschen unterstützen, ist es manchmal schwierig zu wissen, wo die Grenzen unseres eigenen Handelns liegen. Ein großer Vorteil dieser Methode ist, dass sie genau diesen Punkt berücksichtigt.  

Es geht darum, konkrete Hilfe und Entlastung herzustellen. Man schaut, welche Informationen das Gegenüber braucht. Das können je nach Situation ganz unterschiedliche Punkte sein – ein Taxi rufen, Informationen über die Lage beschaffen oder klären, wo man Hilfe bekommt. 

Dann kann es hilfreich sein, die Person mit ihrem sozialen Umfeld zu verbinden. Manchmal ist es auch notwendig Menschen an professionelle Hilfsangebote weiterzuleiten. Ziel ist, dass die betroffene Person nicht isoliert bleibt, sondern wieder Zugang zu stabilisierenden Ressourcen bekommt. 

  • Information klären: Fehlende Informationen beschaffen. Keine Spekulationen oder Gerüchte verbreiten. 
  • Soziales Umfeld einbeziehen: Mit Angehörigen und dem sozialen Umfeld der Person verbinden. 
  • Professionelle Hilfe vermitteln: Bei Bedarf an geeignete Stellen weiterleiten. 

In belastenden oder unübersichtlichen Situationen entsteht schnell das Gefühl, nicht zu wissen, was jetzt eigentlich zu tun ist. Viele erleben dann eine Mischung aus innerer Anspannung und Unsicherheit, die es schwer macht, klar zu denken oder sinnvoll zu handeln. Gerade wenn andere Menschen betroffen sind, kann das zusätzlich überfordernd sein

Die Look–Listen–Link-Methode kann keine Krisensituation „lösen“, aber sie kann helfen, den ersten Moment zu sortieren und handlungsfähig zu bleiben. Oft macht genau diese kleine Struktur einen Unterschied und gibt einen Rahmen, wenn man andere unterstützen möchte. Und soziale Unterstützung ist eine wichtige Ressource in belastenden Zeiten. 

Mein Beratungsangebot in akuten Belastungssituationen

Wenn Sie sich in einer akuten Belastungssituation befinden, beispielsweise nach einem menschenfeindlichen Vorfall, Diskriminierung, einem rechtsextremen Angriff oder einer Hasskampagne, biete ich kurzfristige Online-Beratung an.

Wir arbeiten gemeinsam daran, das Erlebte einzuordnen und einen Umgang mit der Situation zu finden

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⚠️ Dieses Angebot gilt bei externen Belastungssituationen, also Situationen, die dadurch belastend sind, weil etwas Schlimmes passiert ist. Wenn Sie sich aktuell in einer schweren psychischen Krise befinden oder dringend Unterstützung benötigen, wenden Sie sich bitte an geeignete Hilfsangebote. Mehr Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie hier auf meiner Seite. 

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